Short Version: Pilgern fetzt. Der Camino hat mich!

Long Version: Pilgern ist für mich genau das Richtige, obwohl ich mächtig Angst hatte und mehr als einmal hat mir El Camino mehr abverlangt als ich zu geben bereit war:

1. Mehr Sport in schlecht eingelaufenen Schuhen, die sich nach 10 Kilometern wie Blei an den Füßen anfühlen, als mir lieb war. Ein Dank an die unzureichende Beratung beim Schuhkauf! Und ein Dank an 16-Euro Schuhe, die mich rund 300 km getragen haben

2. Einsamkeit

3. Bei Schnee und Kälte draußen sein, einen 8 kg Rucksack auf dem Rücken haben und nicht genau zu wissen, wo ich Abends schlafe

4. Duschen ohne Badelatschen (ähba) – damit die nicht nass werden und man Socken drin tragen kann.

5. Schlafen mit 18-40 Leuten im Raum, darunter Wälzer, Schnarcher, Knisterer, Stöhner und Nachts-im-Schlaf-Erzähler.

6. Ganz alleine (also wirklich alleine) in einem einsamen Gehöft bei Eiseskälte in einer Scheune schlafen, während draußen die Katzen schreien und die Glocken läuten (nachdem der spanische Wirt spanische Schauergeschichten erzählt hat)

7. Versuchen, auf Englisch oder Spanisch seine Gefühle zu erklären und tiefgreifende Gespräche zu führen.

8. Loslassen und vertrauen, was kommt.

9. Das Unplanbare annehmen.

Andererseits hat mir der Weg unendlich viel gegeben — und seltsamerweise immer im richtigen Moment

1. Das Auftauchen anderer Pilger, die mich aufgemuntert oder “mitgenommen” haben, wenn ich dachte, ich kann nicht mehr weiter!

2. Die wichtigen Gespräche mit Menschen von Südafrika bis Korea, Amerika, Irland, Australien bis Belgien zum Reflektieren und zum Mut machen. Die Erkenntnis, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn sich der Pilgergeist aus Solidarität noch weiter verbreiten dürfte.

3. Das Du-Selbst-Sein-so-wie-du-bist

4. Gespräche mit Gott / Das Buch UND die echten Gespräche

5. Unbeschwerte Selbstgespräche bei Windstärke 8-12, mal laut, mal leise – ohne dass dich jemand für verrückt erklärt.

6. Ein sehr interessanter Friseurbesuch in Logrono, ein wunderbarer Pilgerabend in Burgos, ein schmerzhafter Abschied in Leon

7. Die Kapelle in Logrono, warum, dass weiss nur das Universum

8. Die Verbindung zu all unseren Lieben hier und dort

9. Wunderschöne Aussichten – Stille in der Natur – Vogelgesang von früh bis spät

10. Klarheit über das Wichtigste. Über Ziele und Wege. Und KRAFT.

11. Unfassbarer Genuss (Essen, Gespräche, Landschaft, Landsleute, Pilger)

12. Dankbarkeit

13. Dankbarkeit

14. Dankbarkeit

15. Liebe