Jana Wieduwilt
Jana Wieduwilt
JANA WIEDUWILT
Das bin ich. Unternehmerin. Businesspilgerin.

Halbtagspilgern ist die Kunst, sich selbst zuerst zu lieben und dann für die anderen alles zu geben!

Was es macht, wenn man Raubbau am eigenen Körper und Geist betreibt, im Bestreben, all die Anforderungen, die auf uns Höchstleister herangetragen werden, zu erfüllen, das habe ich allzudeutlich spüren dürfen. Wenn du niemals Pause machst, bist du unkreativ, unkonzentriert, ungerecht. Und .. mal es dir selber aus. Das kostet dich Kunden, Beziehungen und deine Selbstachtung. Am Ende natürlich auch Geld. Hatte ich alles mal ziemlich strapaziert in meinem Unternehmen Wieduwilt Kommunikation.

Und dann: Ja, dann war ich mal weg, wie Hape Kerkeling bin ich meinen Pilgerweg gegangen, den Camino Francés in Spanien. Nun, ganz weg war ich doch nicht, denn am Nachmittag, nach dem Pilgern, habe ich mich meinem Unternehmen gewidmet und vom Laptop aus einiges erledigt. Ich merkte, dass ich ungemein kreativ, effektiv und für meine Kunden ein Segen war. Trotz – oder weil ich mich und mein Wohlbefinden zuerst beachtet hatte.

Das Halbtagspilgern war geboren.

Halbtags zu gehen, zu schweigen, Kraft zu tanken, zu reisen. Und dann, am anderen halben Tag – mit 100 Prozent für meine Kunden und Mitarbeiter bei Wieduwilt Kommunikation da zu sein. Für mich das Modell für eine Work-Life-Balance, für die tägliche Portion Achtsamkeit.

Auf dem Weg zum Halbtagspilger gibt es manchmal Abzweigungen, die in eine Sackgasse führen, es gibt herzentzückende Aussichten, es gibt Erlebnisse, die unbeschreiblich sind. Und es gibt Menschen, die ein Stück oder auch eine lange Zeit mit mir gehen. Es gibt kurioses, wie eine Fahrt mit der deutschen Bahn, schonungslos ehrliches, wie das Thema Selbstwert und ziemlich viel Mehrwert hier auf diesem Blog.

Auf dem Weg habe ich auch mein Warum gefunden.

Mein Warum ist: Schreibend auf der Welt so viel unterhaltsamen und hilfreichen Klugschiss zu verbreiten, dass Leute losgehen, um so zu leben, wie sie leben wollen. Willkommen in der Halbtagspilgerwelt!

Stell dir mal vor, du findest mit mir gemeinsam DEINEN Weg zu einer ausgeglichenen Work-Day-Balance. Einen Weg, auf dem DU genauso wichtig bist, wie deine LIEBEN, deine Arbeit und deine Hobbys. Das geht nicht? Ich dachte das auch lange. Und ich weiß, dass es geht. Mindset! Ich liebe es, mit Wieduwilt Kommunikation meine Kunden zu begleiten. Zu einem Marketing, das so ist wie sie sein wollen. Und zu einem eigenen Weg. Wege gehe ich auch mit dir, wenn du ein Höchstleister bist und auf die nächste Ebene kommen willst, check mein Angebot aus.

Ich helfe dir, so zu leben wie DU leben willst.

Jeden Tag. Nicht nur im Urlaub und am Wochenende! Meine Geschichten sollen unterhalten und dich anregen, dir die eine oder andere Frage zu stellen. Und die Antwort zu finden. Schreibend. Schweigend. Staunend. Alle Weisheit der Welt ist in dir.

Seit ich denken kann, drücke ich mich am liebsten schreibend aus. Ich male mit Buchstaben. Die Inspirationen dazu finde ich auf weiten Wegen durch die Welt. Meine Welt. Ich schreibe nicht, es schreibt mich.

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Lass von dir hören, oder besser, lesen!

Deine Jana

Hier liest du meine Story, wie ich wurde, was ich bin:
Wie Jana Wieduwilt halbtagspilgernde Unternehmerin wurde und ihre Freiheit fand

Meine Geschichte als Unternehmerin in meiner Firma Wieduwilt Kommunikation begann an einem Dienstag, im September, um 10.34 Uhr. Da saß ich, Jana Wieduwilt vor meiner Beraterin beim Arbeitsamt. Ja, so hieß das damals, wenn Menschen Arbeit suchten, dann gingen sie zum Arbeitsamt. Ich hatte gerade meine Biografie erzählt, da beugte sich die Frau vom Amt zu mir rüber, legte vertraulich ihre Hand auf meinen Arm und sagte allen Ernstes zu mir: “Wollen Sie mit den Kindern nicht zu Hause bleiben? Ihr Mann verdient doch was.” 

Meine Augen wurden so groß wie Untertassen. Ich begriff langsam. Hatte sie… jetzt echt gesagt, dass ich nach zwei Diplomen, zwei Geburten und neun Jahren Studium zu HAUSE am Herd bleiben sollte? 

Nenenene, nicht mit mir!

Während ich noch die Stirn runzelte, gab sie mir noch auf den Weg, dass wir hier eine Arbeitslosenquote von nahezu 40 % hatten. Es war das Jahr 2002. Und es war Ostdeutschland, 12 Jahre nach der politischen Wende. Dann auch noch in einer Gegend, die als strukturschwach galt. Vorher hatte es hier als Monokultur den Bergbau und die Energiewirtschaft gegeben, die die gesamte Region ernährte. Brauchte man nicht mehr – nach der Wende war die Ostkohle nicht mehr wettbewerbsfähig. Das war nicht mein Thema. 

Ich wollte arbeiten. Die Welt verbessern, mich mit voller Kraft einbringen. Meine Arbeitsmarktberaterin meinte es sicher gut mit mir, als sie mir noch liebevoll die Auskunft gab: “Außerdem sind Sie völlig überqualifiziert für unseren Arbeitsmarkt, Frau Wieduwilt.” Und sie schob mich mit Nachdruck aus der Tür während ich noch meine Stirn in tiefe Falten faltete

Geht’s noch? Ich, zu Hause, ohne eigenes Geld? Ne, Kollegen. So nicht!” 

Ich hatte 1990 Abitur gemacht. Im Wendejahr in der DDR, die sich gerade in Auflösung befand. Die Älteren hatten Angst. Lehrer, Eltern, Chefs, Direktoren – sie waren alle wie gelähmt. Ich hatte oft das Gefühl, sie saßen vor diesen gewaltigen Änderungen, die auf uns zukommen sollten, wie das Kaninchen vor der Schlange. Ich fand das alles megaspannend, während das Establishment wie hypnotisiert abwartete.

Für mich öffnete sich ein Vorhang – die Welt war meine. Ich  konnte reisen, die Welt entdecken. Endlich sagen, was ich dachte, ohne befürchten zu müssen, im Knast zu landen. Endlich konnte ich machen was ich wollte. Ich war frei.

Und das war die einzige Crux an der Situation. 

WAS wollte ich eigentlich? Ich wusste es nicht. Keine Ahnung, was ich mit meinem Leben anfangen sollte. Mein Name, Jana Wie-Du-Wilt, half mir da auch nicht weiter. So viele Möglichkeiten auf einmal. Mein Berufs- und Lebensweg in der DDR war vorgezeichnet. Studium der Ökonomie in Leipzig und ein Job im Büro in der Kohleverwaltung. Ich hatte da überhaupt keine Lust drauf. Aber alle sagten, dass das nun mal so sei. Also glaubte ich es.

Und dann BÄÄÄM; Wende. Verträge waren nichtig. Studiengänge lösten sich auf! Was für ein Glück!

Als ich das erste Mal in Westberlin war, am 10. November 1989, sah ich die Schaufenster voll mit Turnschuhen hübsch nach den buntesten Farben sortiert. Ich sah schöne Kleider, Schokolade, Früchte. Ich sah, dass alles da ist. Fülle. Und dann erkannte ich natürlich schnell, dass man Geld dafür braucht, um sich in die bunte Welt einzukaufen. Also entschied ich mich, Geld zu verdienen, damit ich mir die bunte schöne falsche Welt da draußen kaufen kann. 

Damals, in jener wilden Zeit habe ich angefangen, meinen Weg zu gehen.

Nicht immer konsequent. Aber immer mit aller Kraft. Und ich habe immer einfach etwas getan. 

Das, meine Lieben ist schon das erste Geheimnis der Dramaturgie deines Erfolgs: Einfach mal machen. Falls es nicht das Richtige war, kannst du anschließend immer noch um Entschuldigung bitten. 

Von der Grünen Woche hatte meine Mutter eine Gastronomiezeitung mitgebracht. Ein richtig fettes Teil mit jeder Menge Anzeigen drin. Stellenanzeigen und Anzeigen, die Azubis suchten. Gastronomie, das wusste ich von meinem Vater, der leider viel zu früh, 1987 verstarb, das bringt schon Geld ein. Also bewarb ich mich in Stuttgart um eine Ausbildung zur Hotelfachfrau. 

Ich kam mir vor, als hätte ich den Kontinent gewechselt.

“Geh auf die Bühne und bring’ das weg”, sprach der Seniorchef zu mir, während er mit bedenklich zitternder Hand ein Viertelglas Rotwein – den guten Trollinger – in sein Glas schuckelte. Während ich mit großen Augen registrierte, dass – ganz schwäbisch – trotz seiner wirklich großen Handschwankungen – kein winziger Tropfen daneben ging, sickerte in mein Gehirn seine Aufforderung. Jana, nicht mehr starren! Du sollst was machen. Bühne? Hab ich noch gar nicht gesehen. Was für eine Bühne? Naja, er wird es ja wissen, es ist ja sein Laden.

Ich irrte also mit dem alten Korb, den mir der Senior-Chef des kleinen Landhotels im Schwäbischen in die Hand gedrückt hatte, durch das Haus. “Na, Jana, hast du Langeweile?”, sprach mich die Juniorchefin an. Sie schaute nicht gerade freundlich. Ich stotterte – und registrierte. Das ist neu! Gestottert habe ich die letzten 18 Jahre nicht. “Ich-ich, der Senior-Chef hat gesagt..” Sie unterbrach mich schroff. “Du weißt, dass der Senior nicht mehr Chef ist. Stell den Korb “da nar” und hilf Lydia beim Eindecke.” (Kein Rechtschreibfehler, Mundart!). “Die Gäst san grad kommen.”

Ahja. Die Gäst san kommen.

Der Schwabe spart sogar das e und unnütze Vorsilben, wie das ge, dachte ich so bei mir. Effizienz ist alles. Wieder was gelernt! 

So begann mein erster Arbeitseinsatz. An einem Freitag im September, 16.30 Uhr, 1990. Es war herbstlich schön und die Hütte brummte, so würde ich es heute sagen. Die Kasse klingelte.

In dem gut geführten Haus trafen sich Geschäftsleute zu Tagungen. Es gab Vertreter, die sich bis nachts um drei an einem schalen Bier festhielten, und natürlich gab sich die Dorfprominenz aus Unternehmern, Politikern (damals CDU) und sonstigen mega-wichtigen Menschen die Klinke in die Hand. Alle hatten eines gemeinsam: Sie schätzten die bodenständige Gemütlichkeit, mit der der Laden geführt wurde – und sie schätzten die damals hochmoderne neue Küche, die der Junior einführte. Und sie lehrten mich dienen. 

Mein Start war holprig.

Hier ging es um Arbeit, harte Arbeit in der Gastronomie. Es ging um Ellenbogen. Es ging um Dienen. Um Geschick. Um “Arbeit sehen”. Um eine Art Teamwork. Um Chef-Schleimerei und um Selbstdarstellung. Es handelte sich um schwäbische Identität. Ja, und um ein Unternehmen, das Arbeitskräfte brauchte, aber sich schon damals nicht aussuchen konnte, wer sich bewirbt.

Naja ganz ehrlich: Damals war ein weiblich renitenter Ossi ungefähr so, wie ein türkischer oder italienischer Mitbürger in den 1960er Jahren. Etwas drunter.

Und ich war der einzige Ossi im Dorf. Ein Exot!

Ich wurde grundsätzlich vorgestellt mit: “Das ist Jana, die kommt aus dem Osten.” Sofort bekam ich einen Blick zwischen Entsetzen, neugierigem Interesse gepaart mit etwas Abneigung. Unauffällig rückte man ein Stückchen weiter weg, so ungefähr als hätte ich eine ansteckende Krankheit. Damals fluteten die Ostdeutschen das Land. Kein Tag verging ohne neue Schreckensmeldungen über die marode Situation der einstigen DDR.

Klar, dass sie mich als lebendes Beispiel im aufgeräumten “Ländle” nicht so gerne sahen. Denn die Ossis, die waren alle ein bisschen zurückgeblieben, das Arbeiten nicht gewöhnt und eh etwas begriffsstutzig. Leider machte ich in den ersten Wochen diesem Bild alle Ehre. Ich verbrannte mir die Daumen an pottenheißen Tellern, warf bei vollem Samstagabendbetrieb den Teller mit Geschnetzeltem dem Juniorchef auf den Anzug und auf den Teppich im Foyer.

Das leckere Sahnegeschnetzelte tropfte langsam vom Revers des ansehnlichen Juniorchefs.

Gleichzeitig rollte die Vorlegeschale aus Aluminium scheppernd über die Fliesen des noblen Foyers. Die Zeit blieb kurz stehen. 

Kennst du das, wenn du denkst: Das ist jetzt nicht wirklich passiert! Ein Film läuft ab, du steigst aus deinem Körper und beobachtest das Ganze. Es formte sich ein Tropfen aus der feinen hellbraunen Sahnesoße, der auf das blütenweiße Hemd traf. Ein feines Stückchen Fleisch rutschte hinterher. Die Schüssel war schon kurz vor der Rezeption. Sie schepperte noch einmal schreiend laut und blieb dann liegen. Unmerklich fast hob der Junior die Augenbrauen, betrachtete sich und mich.

Er sagte: “Schön.” Das war sein Lieblingswort, er benutzte es bei allen Katastrophen, auch bei Jana-aus-dem-Osten. Sie kann ja nichts dafür. Klar, konnte ich was dafür. Ich wusste es nicht besser. Hatte grundsätzliche Regeln des erfolgreichen Lebens noch nicht mal ansatzweise verstanden und von Dramaturgie konnte keine Rede sein. Damit meine ich nicht, das erfolgreiche Tragen von Geschnetzeltem in Vorlegeschalen. Diese Epoche meines Lebens lehrte mich Widerstandskraft, sie lehrte mich, mir selbst zu vertrauen und mich auf neue Umgebungen schnell einzustimmen.

Beobachten und Lernen

Als erstes begann ich, meine Umwelt zu beobachten. Warum lächelt der Chef immer, wenn er diesen schleimigen, faulen Herrn Moosberger (Name von der Redaktion geändert) trifft, während ich renne und renne und doch immer noch was falsch ist, an dem, was ich mache. Herr Moosberger, Azubi im 2. Lehrjahr, war seinerzeit ein schlanker, smarter junge Mann, hochgewachsen. Schwabe in 387. Generation. Wohlsituiertes Elternhaus. Selbstbewusst.

Was tat er? Er achtete stets darauf, dass er – mit einem Teller oder einer frischen Tischdecke in der Hand dem Chef über den Weg lief, ihn anlächelte und in feinster Mundart etwas sagte, wie: “Heute ist Tisch 14 herrlich durstig. Sie lieben die Küche von Küchenchef Hummel.” oder: “Was für ein Biergarten-Wetter! So macht es Spaß!”

Sobald Chef um die Ecke war, lümmelte er sich wieder irgendwo hin, schaute mir beim Arbeiten zu und sprach reichlich dümmliches Zeug. Das regte mich auf. Während ich dachte, ich müsste meinen Chef durch bienchenfleißiges Arbeiten und verbissenen Leistungswillen beeindrucken – und erwartete, dass der Chef meine Bemühungen und mich auch nur sehen würde, führte er Smalltalk.

Er zeigte Interesse an der Denke des Chefs. Oftmals, so erfuhr ich später, waren Chef und Azubi Moosberger gemeinsam bei der Spätschicht. Während sich die Vertreter an ihrem Bier aufhielten und vor sich hinschauten, tauschten sich Chef und Azubi über das Leben aus. Moosberger als perfekter Schleimer oder bestens angepasster Chef-Kenner wusste, was er fragen musste, damit der Chef stundenlang erzählte.

Moosberger war ein guter Zuhörer, wenn es ihm nutzte. Auch mir hatte er anfangs recht gut zugehört. Meine Ideen, wie man dies oder jenes besser machen könnte, waren auf einmal alle von Herrn Moosberger. Ich fiel fast aus allen Wolken als in einem der neu installierten Azubi-Chef-Team-Meetings Herr Moosberger als innovativster Azubi einen MINICooper erhielt.

Ich kochte – vor Wut

Ein halbes Jahr kostenlos ein Auto für eine Einsparmaßnahme, die ICH erfunden hatte. Ich kochte vor Wut und mir fiel nicht ein, wie ich das Offensichtliche ändern könnte. Und weiter: Ich ärgerte mich, strengte mich noch mehr an – und wurde doch nie gesehen. Eine Lektion erkannte ich hier: Ärgern macht hässlich. Und alt und zickig. Das wollte ich nicht sein. 

Also nutzte ich meine Ossi-Abi-Klugscheißer-Fähigkeiten und versuchte mal Plan B:

Analyse der Situation. Was hatte dieser Moosberger, was ich nicht hatte?

  1. Er sprach die Sprache seiner Zielgruppe – in dem Falle die des Hoteliersohnes und Juniorchefs. 
  2. Er konnte zuhören.
  3. Er konnte das Gehörte im richtigen Moment als seine Idee verkaufen. Das war zwar nicht fair, aber wirksam.
Das kann doch nicht sein, dass mir so ein Mittelklasse-Männle so den Rang abläuft! 

So nahm ich meinen Mut zusammen und begann, nach und nach die Mundart meiner Umgebung anzunehmen und schwäbisch zu verstehen. Ich wiederholte prägnante Worte im Geiste wieder und wieder und wieder. Natürlich lernte ich auch neue Vokabeln, wie Bühne: Der Dachboden oder Speicher. 

Meine ersten Mentorinnen

Erstaunlicherweise nahmen mich dort zwei Frauen unter ihre Fittiche, Lydia Müller und Frau Erxner (Namen von der Redaktion geändert). Die eine um die 30, sehr karrierebewusst und Kellnerin. Und die andere war weit über 60, die Frühstücksfee und eine echte Frau der Tat. Beide wiederholten geduldig das eine oder andere schwäbische Wort. Sie zeigten mir, besonnen und mit absolutem Gleichmut, immer wieder die Handgriffe, die es zu beherrschen galt.

Frau Erxner erzählte mir vom Familienleben. Ihre Kinder waren schon eine Weile aus dem Haus, ihr Mann verstorben. Sie war direkt von der Empty Nest Phase in die Trauer gerutscht und brauchte die Arbeit im Gasthof “Reh”, um sich lebendig und gebraucht zu fühlen. Sie wollte sich um jemanden kümmern. Das war ich.

Und Lydia? Sie erklärte mir etwas vom Stuttgarter Leben oder auch überhaupt von der Marktwirtschaft. Sie hat drei Jahre gelernt. In den drei Jahren hatte sie vom damals wirklich schmalen Lehrlingsgeld und dem guten Trinkgeld als Kellnerin mit eiserner Disziplin 20.000 Mark zusammengespart. Diese hatte sie als Grundlage genommen, sich eine winzige Wohnung zu kaufen.

Jetzt war sie schon 3 Jahre im “Reh” und die mit Abstand fähigste und fleißigste Servicekraft. Immer freundlich, immer g’schwind, gut gelaunt und mit Sicherheit sehr trinkgeldaffin. Sie sagte nichts über mein Ossitum, zeigte mir aber den Stuttgarter Lifestyle. Sonntags für unvorstellbar teure 10 Mark im Steigenberger frühstücken zu gehen, Eigentumswohnungen kaufen – und schicke Autos. Luxus halt. Wichtigkeit kaufen vom gesparten Geld. 

Frau Erxner berichtete oft über ihre Söhne. Wie stolz sie auf sie war. Wie sehr es sie schmerzte, dass sie sich so gut wie nie bei ihr meldeten, sagte sie nicht. Das spürte ich aber. Wenn ich davon anfing, dass Moosberger mir die Ideen klaute, sagten beide einhellig: “Jana, das musst hinnehme. s’ist a Männergsellschaft.” 

Äh, ne! Nein das will ich nicht hinnehmen.

Ich bin wahrlich keine Emanze. Aber, dass meine Ideen einfach von anderen verkauft werden und ich nur “das Mädel” bin, na, das seh ich doch gar nicht ein! Ich erkannte, dass meine Zeit noch nicht reif war und lernte weiter. Schnell hatte ich raus, wie ich gutes Trinkgeld bekam. Wie ich meine Arbeit effektiv gestaltete und wie ich mir langsam, quälend langsam den Status “Jana” ohne den Zusatz “die-ist-aus-dem-Osten” erarbeitete.

Ich gehörte nicht dazu.

Ich lernte also kellnern, schwäbisch, sparen, Geld zählen, erfuhr, dass man mit weißen Turnschuhen nicht in die Disko kommt – und dass ich nie dazu gehören würde. Für mein Ego wäre es so unglaublich wichtig gewesen, dazu zu gehören, Club-Member zu sein. Das es nicht so war, lernte ich schnell, denn immer wieder schlugen Türen vor meiner Nase zu. 

Heute versteh ich das. Ich hätte auch nicht mit einem Exoten feiern wollen. In Jetztzeitsprache würde man sagen, dass ich eben nicht zu den Hipstern gehörte. Damals – mit 18 – wollte ich feiern, leben. Party machen, was erleben. Hip sein. Und ich wurde nicht dazu eingeladen. Damals – war ich zu feige, mich selbst einzuladen. Heute tu ich das, wenn es notwendig ist.

Hier sind ein paar meiner Tipps: 
  1. Wenn du was Neues machst, check vorher mal aus, was dich erwartet. Hätte ich mich nur in Ansätzen mit a) süddeutscher Gastronomie, b) schwäbischer Kultur und c) dem westdeutschen Wertesystem der frühen 1990er Jahre beschäftigt, hätte ich mich nicht so wundern müssen und mindestens 300 Fettnäpfchen weniger betreten.
  2. Lerne die Sprache deiner Umgebung so schnell du kannst. Nimm dir einen Hilfslehrer, eine(n) Liebhaber(in) oder lies Bücher. Hol dir eine Sprach-App. Lern die Sprache und wende sie an. So merkt dein Gegenüber, dass du überhaupt dazu gehören WILLST.
  3. Nutze die Kraft der Fragen. Und dann halt die Klappe. Lass sie reden und hör gut zu. Ich habe damals am Anfang weder gefragt, noch zugehört. Ok. Mann. Ich war 18 und kam vom Intelligenz-Abitur-Olymp. Tellertragen und Empathie waren da nicht dabei. Daher. Frag. Dich. Durch. Und. Hör. Zu. 
  4. Jetzt verrate ich dir das erste große Geheimnis, wie du dein persönliches Sei-wie-du-willst leben kannst: Leute reden unglaublich gerne über sich selbst. Immerzu. Hör einfach zu. Sieh deinem Gegenüber in die Augen und sei zu 100 % bei ihm. Fühle, was er sagt. So, dass er es spüren kann. Wenn du das beherzigst, wirst du unweigerlich schnell als beliebt gelten und vieles erfahren, was dich weiterbringt. Und AUCH, wenn du es besser weißt, korrigiere niemals dein Gegenüber. Entweder er oder sie lernt es selber oder bleibt bei seinem Glauben. Und dann ist es auch gut. 
  5. Dein Ego. Kannste nach Hause schicken in dieser Situation. Lass es schlafen oder schick es joggen, während du zuhörst. Du weißt nicht, was dein Ego ist? Kennst du die innere Stimme in dir, die deine Sonntagsidee von deinem neuen Leben immer gleich abtut: “Kannst du sowieso nicht! Was sollen die Leute sagen? Schaffst du nie. Bleib mal schön da, wo du jetzt bist. Klappt sowieso nicht!” DAS ist dein Ego. Man könnte auch sagen, dein Gehirn. Denn das ist darauf ausgelegt und dankenswerterweise dafür da, uns im Überlebensmodus zu halten. Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit zu Überleben auf den ersten Blick höher, wenn du in deiner Höhle bleibst, gemeinsam mit deinem Ego-Gehirn. Dass du langfristig verhungerst, merkt dein Ego-Gehirn erst später. Dein Herz weiß oft intuitiv, was richtig ist. Wenn du deinem ersten Impuls folgst, liegst du seltsamerweise selten falsch. Probier es mal aus. Du musst ja nicht gleich einen Säbelzahntiger angreifen. Vielleicht wechselst du erst mal den Sitzplatz in deinem Lieblingslokal und bestellst ein anderes Gericht. 

Trotzdem ich das geschafft hatte, nicht mehr Jana aus dem Osten zu sein, hatte ich so ein Heimweh. Ich wollte wieder in das echte Leben. Und kündigte nach einem Jahr. Rief kleinlaut meine Mutter an, die sich ins Auto setzte, meine Habseligkeiten rein packte und mich nach Hause holte.

Ich war reif fürs Studieren. 

Ich entschied mich für das schöne Dresden. Und weil ich immer noch nicht so richtig wusste, was ich machen sollte, wählte ich Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Tourismuswirtschaft und Innovationsmanagement. Das war ok, aber begeisterte mich nicht.

In jener Zeit entdeckte ich die Vorzüge des Studentendaseins: Freie Zeiteinteilung, viele Ferien. Wenig Geld, ja natürlich. Aber Freiheit! Im Geiste, wie im Tagesablauf. Ich würde sagen, dass ich beim Studium an der Technischen Universität Dresden das strategische Denken und das technische Analysieren lernte.

Und ich lernte, meine Zeit weise zu nutzen. 

Jeden Ferientag war ich unterwegs. Luxusresorts und Pauschalreisen gehörten nicht zu meinen Reiseplänen. Bis heute sind Luxusreservate für maximal einen Tag ok, dann muss ich raus, in die echte Welt. Unter anderem reiste ich nach Südamerika. Dort habe habe ich damals, 1993, erkannt, dass ich unendlich geliebt bin und dass sich alles fügt, wie es soll. Ohne Sorgen, besser gesagt, durch unendliches Vertrauen in alles was ist. So halte ich es seitdem. Das war übrigens in der Zeit vor google maps und WhatsApp. Ich war also wirklich mal ein paar Monate weg.

Damals reiste ich durch Venezuela. Kolumbien und Equador. Ich liebe es bis heute, meine sieben Sachen in einen Rucksack zu packen und dann eben unterwegs zu sein. Nach dem ersten Trip nach Venezuela lernte ich Spanisch und reiste nach Kolumbien.

Hier machte ich ein Praktikum in einem Schulprojekt, das sich darum drehte, den Kindern der kolumbianischen Blumenarbeiter Bildung und damit eine bessere Zukunft – weg von den Blumenbaronen, den pestizidverseuchten Rosen- und Nelkenfeldern zu ermöglichen. Ich lernte schnell, dass wir auf der Sonnenseite des Lebens lebten und erkannte auch, dass ich was dafür tun wollte, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Es ging wieder um Freiheit und Frieden.

So half ich bei Flüchtlingsprojeken mit, verbrachte viel Zeit mit in Dresden angekommenen Geflüchteten. Dazu gibt es auch eine wunderbare Geschichte am Rande der Legalität, die erzähl ich dir gerne, wenn du mich fragst. 

“Jana Wieduwilt, du willst also die Welt zu einem besseren Ort machen?”, fragte mich damals meine kolumbianische Freundin. Ja, genau das war mein Ziel. Freiheit und Frieden im innen und im außen: Alleine, ich wusste nicht, wie.

Ich wusste es nicht. Aber ich war im Vertrauen.

Daher studierte ich weiter und hatte am 7.10.1996 mein erstes Diplom in der Hand. Ich bin Diplom-Kauffrau. Mein Abschluss war gut. Prädikat 2. Also kein Grund zur Panik. Und jetzt hätte ich anfangen müssen, zu arbeiten, also so richtig angestellt – den Rest meines Lebens.

Auf die Idee, ein eigenes Unternehmen zu gründen kam ich nicht. 

Ich sah mich also irgendwo in einem Büro, 9 to 5. Und mir wurde schlecht. Ich war 23 Jahre. Und befand mich für zu jung zum Arbeiten, denn das verband ich mit Eingesperrtsein, mit Unfreiheit und Fremdbestimmung. 

Also, nur nochmal zur Erklärung. Ich hatte mir mein Studium selbst finanziert, ebenso wie die Reisen nach Südamerika und die eigene kleine Wohnung. Natürlich habe ich dafür fleißig gearbeitet. Ja, sogar ein paar Jahre bei Mc Donalds. Ich hab da gearbeitet und mich faszinierte die amerikanische Effizienz des Systems. Nach wie vor habe ich großen Respekt vor dem Immobilien-Imperium, dass Mc Donalds weltweit aufgebaut hat.

Seinerzeit war es einer der wenigen Jobs in Dresden, die man sich selbst einteilen konnte. ICH bestimmte WANN ich arbeitete einen Monat im Voraus. Das war mir unendlich wichtig. Später hatte ich dann einen Bürojob, der ähnlich flexibel gestaltbar war. Hier verdiente ich das Geld, was ich brauchte, um zu leben, zu reisen, mein Studium und die Miete zu zahlen. Gespart habe ich seinerzeit nichts. 

Aber es reichte, um in Freiheit zu leben.

Und eben an jenem 7. Oktober 1996 fühlte ich mich schlecht, obwohl ich gerade fünf Jahre Studium gemeistert hatte. Daher entschied ich, da mir BWL keinen Spaß gemacht hatte, mal was Schönes zu studieren: Nun beschäftigte ich mich mit Pflanzen, Raumgestaltung, Städtebauplanung und Naturschutz – ich schrieb mich für ein Studium der Landespflege im schönen Dresdner Stadtteil Pillnitz direkt an der Elbe ein. Das war schön. Die Menschen, die Landespflege studierten, waren anders als BWLer. Irgendwie. Reifer. Aber diese Wahrnehmung kann auch an meiner eigenen wachsenden Reife gelegen haben. Übrigens, auch das Studium habe ich abgeschlossen.

Ich bin auch Diplom-Ingenieur der Landespflege (FH). 

Während dieses zweiten Studiums bin ich eingetaucht in das Abenteuer, kurz hintereinander zweimal Mutter zu werden. Zwischendurch hatte ich meine Leidenschaft des Reisens nie aus den Augen verloren, aber doch wurde sie ein wenig überdeckt, von dem Abenteuer des Lebengebens und des Sorgens um Finanzen. Gereist bin ich immer, auch mit den Kindern, aber ich habe damals begonnen, zu kämpfen. 

Die Angst hatte mich gefunden.

Ich hatte Angst, meinen Kindern nicht genug bieten zu können. Ich kämpfte um etwas zu Essen im Kühlschrank, um die aus meiner Sicht besten Bedingungen für die zwei Menschen, für die ich verantwortlich war. Schulgeld. Bücher. Haus und Garten. Verantwortlich war? Ja, die beiden sind heute erwachsen – und ich habe die Verantwortung abgeben können. Die kommen beide durchs Leben. In enger Verbundenheit in der Wieduwilt Family, aber ohne gegenseitige Verantwortung.

Warum Kampfmodus? 

Doch lass mich nochmal darauf zurückkommen, warum ich viele Jahre in so einem Kampfmodus war. Ganz einfach: Ich habe einfach nicht geglaubt, dass es einfach ist. Ich habe gedacht, das Leben ist anstrengend. Ich habe gedacht, dass ich nicht genug Geld hätte. Ich habe gedacht: “Jana Wieduwilt, du musst HART arbeiten muss, um deine Kinder ernähren zu können.” Alles Käse, wie ich inzwischen weiß. Denn du weißt ja, breitgelatschter Käse bleibt Käse. 

Ein Lernprozess.

Du musst um nix kämpfen. Es ist alles schon da. Bewegen darfst du dich. Nur vom OOOMM machen kommt allerdings auch nix. Oder anders ausgedrückt. Du darfst dem Universum klar sagen, was du brauchst und bis wann. Was du geben willst und was du geben kannst. Und dann kommt alles andere hundertfach zu dir. Einfach so. So einfach? Ja.

Aber bevor ich das kapiert habe, bin ich so einige Lernschleifen gelaufen. Ich habe eine Ehe eingebüßt, keinen Job gefunden, trotz zweier Diplome. Ja, ich habe lange studiert und das habe ich so sehr genossen. Gelernt habe ich schon immer gerne. Nicht auswendig, ich wollte immer verstehen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Von Freiheit, Frieden, von Balance in Achtsamkeit und vom Halbtagspilgern war ich Lichtjahre entfernt. 

Zurück ins Jahr 2002

Aber komm erst mal zurück ins Jahr 2002. Ich hatte keinen Job. Und das Geld war alle. Zu Hause ein Zwei- und ein Dreijähriger. Bums. Die Tür war zu. Ich stand, wie mit einem ziemlich breiten Brett vorm Kopf vor diesem Arbeitsamt. 

Schicksalhafter Moment

Das war einer jenen Momente, die Schriftsteller als schicksalhaft bezeichnen. Hier, an genau dieser Stelle, an jenem Dienstag im September 2002 um 10.46 entschied ich: “Da gehst du nie wieder hin. Nie wieder zu diesem Amt.” Und ich entschied sofort weiter: “Das nächste Mal, wenn du zum Arbeitsamt gehst, meine liebe Jana Wieduwilt, dann nimmst du die andere Tür. Die Tür, über der “Arbeitgeberservice” steht.”

Denn als Arbeitgeber werden dir bei der Agentur für Arbeit die roten Teppiche ausgerollt. Das war damals noch so. Heute rollt man wohl beiden: Arbeitgebern und Arbeitnehmern den Teppich aus.

Und ich will dich, liebe Leserin nicht länger auf die Folter spannen.

Ich war seither nie mehr dort.

Denn an jenem Tag begann meine Reise zu einer Unternehmerin, die ich heute bin. Ich bin also ohne den Umweg über Los zu gehen, ohne je in einer Festanstellung gearbeitet zu haben und ohne jegliche Förderung sofort nach dem Studium Unternehmerin geworden. Ein bisschen aus Trotz, das gebe ich zu. Aber mit Absicht!

Was habe ich gemacht?

Ich bin nach dem denkwürdigen Arbeitsamt-Erlebnis nach Hause gegangen und habe dann ziemlich viele Stunden das Telefon angestarrt. Ich hatte mir überlegt, was ich gut kann. Nach zwei Diplomen wusste ich: Ich kann strategisch denken und SCHREIBEN. Ansonsten habe ich ein gutes Allgemeinwissen und kann überall ein bisschen mitreden. 

Daher lag es nahe, mal bei der örtlichen Zeitung nachzufragen, ob ich als Schreiberling, als Journalist gebraucht würde. Nach Stunden schaffte ich es endlich, den Hörer zu nehmen: “Guten Tag, ich bin Jana Wieduwilt und erzähle als Journalistin genau die Geschichten, die Ihre Leser über die Region lesen wollen.”

Er fragte, was ich so kann und ich versprach ihm, mehr intuitiv als durchdacht, einen der größten und bislang sehr öffentlichkeitsscheuen Unternehmer aus meiner Stadt in die Zeitung zu bringen. “Den kenn ich gut”, flunkerte ich. “Gut, dann machen Sie mal, Frau äh.. Wie-du-wilt”, schlug der Chefredakteur vor. Bis wann er mit dem Text rechnen können. “Na, also… hmmm, ja… übermorgen”. “Gut, dann bis übermorgen”, sprach er. Klick. Aufgelegt. 

Ich saß, wie bescheuert neben dem Telefon.

Bin ich denn wahnsinnig? Ich kenne den Unternehmer doch gar nicht. Und ich kann doch eigentlich gar nicht für die Zeitung schreiben. Und überhaupt: Was mache ich hier eigentlich? 

Das, liebe Leserin ist ein weiteres Learning, das ich dir mitgeben möchte.

Mach einfach.

Und ja, dazu darfst du manchmal Dinge sagen, denen du dir nicht ganz sicher bist. Ich habe oft und immer wieder Herausforderungen angenommen, von denen ich in jenen Momenten nicht wusste WIE ich sie meistern sollte. Aber, wie du siehst, ist es mir immer gelungen, denn bis heute bin ich mit meiner Firma Wieduwilt Kommunikation sehr erfolgreich unterwegs.

Also musste ich noch mal das Telefon zur Hand nehmen und HEUTE NOCH einen Termin von eben jenem Unternehmer erwirken. Kurz: Ich bekam den Termin, schrieb den Artikel. Sandte ihn ab – und bekam den Job als freie Journalistin. Für lächerlich niedrige Honorare schrieb ich mich in den nächsten Jahren durch die Lausitz. Berichtete über Stadtverordnetenversammlungen, Geflügelzüchtervereine, den Karneval, Volksfeste, Weihnachtsganszüchter und das gesamte Programm, was so im ländlichen Raum passiert.

Wie sie kommunizieren!

Ich lernte Menschen und ihre Geschichten kennen und lieben. Ich lernte, wie sie kommunizieren. Wie sie ihre Geschichte erzählen. Hierbei legte ich die Grundlage für mein tiefes Verständnis kleiner Städte und des ländlichen Raumes. Ich erkannte, wie man auf dem Land miteinander spricht und wie man mit achtsamer Kommunikation ganze Regionen kräftig voran bringen kann. Ich lernte, wie man Menschen mit Texten fängt. Das ist bis heute die Basis unseres Erfolgs.

Das Geheimnis des Marketings nach Wieduwilt-Art

Das ganze Geheimnis des Marketings, das wir für Pilger-Wege, touristische Ziele, für kleine Städte und Unternehmen im Recruiting machen, ist wertschätzende Kommunikation. Lies gerne den Satz noch mal. Wertschätzende Kommunikation. Mehr nicht. Zuerst nach innen, dann nach außen. Du kennst das sicher: Wie im innen so im außen. Da alles mit allem verbunden ist, muss es innen aufgeräumt sein, danach kannste außen anfangen und die Braut richtig hübsch machen. 

Wenn du eine verfaulte Frucht aufpolierst, kauft sie vielleicht wirklich jemand. Sobald er aber reinbeißt oder die Frucht aufschneidet, sieht er den Beschiss. Und diese Enttäuschung vergisst er nie. Vermutlich, wenn er nachtragend ist, gibt er dir ne schlechte Bewertung bei Google. Oder auch bei Tripadvisor oder sonstwo.

Und jetzt habe ich dir auch gleich erzählt, was wir seit 2006 bei Wieduwilt Kommunikation machen. 

Exakt vier Jahre nach dem Punkt Null beim Arbeitsamt, im September 2006 gründete ich Wieduwilt Kommunikation. Auch hier war ich von Anfang an eher mit großen Gedanken unterwegs:

Ich wollte ein ANDERES Unternehmen.

Eines, in dem die Menschen frei und gerne zusammenarbeiten, eines, das die Kunden lieben und ein Unternehmen, das jedem die Freiheit gibt zu leben, wie jeder selbst leben will. Ein Unternehmen, das Frieden schafft. Achtsamkeit und gute Kommunikation. Ich wusste wieder nicht WIE. Ich wusste nur, dass es möglich sein muss. Irgendwie.

Wir machen Marketing.

Strategisches Marketing, das auf die Ziele des Kunden einzahlt. Egal, ob es darum geht, neue Einwohner in ländliche Regionen zu holen, einen Wanderweg zu vermarkten oder Mitarbeiter für Unternehmen im ländlichen Raum zu gewinnen. Strategisches Marketing und richtig Rückenwind für unsere Kunden sind die Themen, die ich mit meinem achtsamen Team aus insgesamt acht Experten umsetze. 

Apropos Mitarbeiter.

Ja, die lieben Mitarbeiter – sie waren mein nächstes riesiges Learning, das ich schmerzvoll durchleben durfte. Ich fing 2006 also an, meine eigene Agentur aufzubauen, zunächst alleine, dann mit einem Mitarbeiter. Wir bearbeiteten kleine Aufträge aus der Welt der Kommunikation. Wir waren durchaus erfolgreich. Wirtschaftlich noch nicht, das war ein zähes Ringen um jeden Euro. Wir sind viele viele Lehrwege gegangen. Doch dann wuchsen die Aufträge und ich brauchte Mitarbeiter. 

Um Himmels Willen: Denen verrate ich doch nicht, was ich als nächstes vorhabe. Nein. Niemals! Sie sollen ihre Aufgabe machen. Und mehr nicht. Hmm. Schlau gedacht, nicht wahr? Du schmunzelst? Ja, ich heute auch über soviel Ignoranz. 

Also, kurz: Ich habe EINIGE Mitarbeiter verschlissen.

Als Chef war ich viele Jahre lang eine Katastrophe.

Also eine echte Naturkatastrophe. Habe nicht begriffen, dass Mitarbeiter anders denken als Chefs. Habe nicht begriffen, dass Menschen unterschiedlich ticken und andere Motivatoren haben als ich. Und ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass die richtigen Mitarbeiter diejenigen sind, die das Unternehmen voran bringen.

Egal, wie schlau der Chef/die Chefin ist, er oder sie ist nichts ohne Mitarbeiter. Dazu müssen die Mitarbeiter aber auch angenommen, integriert und gewertschätzt sein. Sie müssen ähnliche Werte haben, wie ich selbst, wie das Unternehmen. Und man muss sie lassen, ihnen Freiraum geben, sonst gehen sie schneller in die innere Kündigung als du gucken kannst. 

Und ja, ich habe verstanden, dass man es lernen darf, eine Führungskraft zu werden.

Das ist eine Entwicklung, die nie aufhört und ich bin immer noch dabei, mich weiter zu entwickeln. 

Damals war auch der Punkt, an dem ich begriff, dass ich alleine nicht weiter komme.

Ich buchte meinen ersten Coach mit der Aufgabe, aus mir eine Führungspersönlichkeit zu machen.

Ich bekam eine Coachin, wieder eine Frau, die mich voran brachte. Sie sagte mir: “Schreib Tagebuch. Schreib ein Führungstagebuch. Wo stehst du? Was machst du gut? Was sind deine Erfolge?” ERFOLGE? Welche Erfolge? Meine Mitarbeiter machten nicht, was sie sollten. Qualifizierte Mitarbeiter liefen mir davon oder waren offensichtlich nicht mal in Ansätzen bereit, mitzudenken.

Im Gegenteil. Wenn ich den Versuch unternahm, ihnen Verantwortung zu übertragen, gaben sie mein Geld mit vollen Händen aus oder taten schlicht gar nichts. Kunden beklagten sich. Fehler passierten jeden Tag. Ich war verzweifelt. Nahm die Verantwortung zurück. Arbeitete noch mehr. Kontrollierte noch mehr. Und war mehrfach kurz vor dem Zusammenbruch. 

Der Fisch stinkt am Kopf

Ich schrieb dennoch Tagebuch und bemerkte recht schnell, dass es überhaupt keinen Spaß macht, seitenweise Beschwerden über die anderen aufzuschreiben. Denn weißt du was? Die anderen können doch nur so gut sein, wie du. Sie können doch nur wachsen, wenn du sie wachsen lässt. Das setzt voraus, dass man sich selber lieb hat und wertschätzt. Verzweifelt fragte ich damals einen alten, erfahrenen Unternehmer, der rund 100 Mitarbeiter beschäftigt hatte und ein Vorzeige-Unternehmen hatte. 

Er schaute mich ruhig an und sagte: “Jana, der Fisch stinkt immer am Kopf zuerst.” Mehr sagte er nicht. Ich überlegte zuerst kurz, ob ich eingeschnappt sein sollte, entschied mich dann aber, seinen Rat anzunehmen.

Also, er meinte wohl, dass ich erst mal im eigenen Garten aufräumen und danach über Nachbars Gartenzaun schauen sollte. Wenn du dir – als Partner, Elternteil oder Führungskraft über deinen eigenen Wert bewusst bist, dann erst, wirklich erst dann kannst du andere führen.

Ich mach es kurz: Es war ein steiniger Weg, auf dem das Schreiben, das Innehalten und das Reflektieren, ebenso wie das Reisen, eine große Rolle spielte. Zuerst an sich selbst zu denken ist kein Egoismus. Es ist notwendig, sich selbst zu mögen und zu lieben. Und sich selbst Gutes zu tun. Erst dann hast du die Kraft, auch anderen Stütze zu sein. Ich lerne immer noch. Jeden Tag. Wirklich jeden Tag. 

Die Mitarbeiter danken es mir. Und sind mir seither treu. Wir sind ein Dreamteam. Und jeder einzelne ist mir so wichtig, dass du es dir nicht vorstellen kannst.

Noch eine Herausforderung

Nun hatte ich “nur” noch die Herausforderung, dass ich eindeutig zu viel arbeitete. Und zu angespannt war. Das wirkte sich auf meine Stimmung und meinen körperlichen Umfang aus. Ich lernte zu fasten, bekam mein Körpergewicht in den Griff und beschloss, nach drei Jahren, pilgern zu gehen. Auf dem Jakobsweg, Camino Francés in Spanien. 

Halbtagspilgern

Hier hatte ich natürlich ebenfalls den Laptop dabei, denn auch bei aller Freiheit, die ich lebe, möchte ich gar nicht mehrere Wochen aus meinem Unternehmen raus sein. Ich möchte den Kontakt zu meinen Kunden, zu meinem Team, zu meinen Aufgaben jeden Tag. So oder so denke ich nahezu unentwegt darüber nach, wo wir was verbessern können. 

Dort, beim Pilgern, erkannte ich, dass es sehr wohl möglich ist, vormittags zu pilgern, Gottes Schöpfung oder das Universum zu bestaunen, andächtig und dankbar zu sein und natürlich auch kräftig voran zu schreiten. Und am Nachmittag dann in der Pilgerherberge widmete ich mich den Kundenprojekten, konnte meinen Mitarbeitern Aufgaben delegieren und war so kreativ und effektiv wie auch sonst immer auf Reisen. Doch erst pilgernd und laufend erkannte ich das Muster:

Für meinen Frieden MUSS ich unterwegs sein.

Das ist meine Definition von Freiheit. Freiheit macht Frieden. Und ich BIN mein Unternehmen. Daher kann ich das, was andere Arbeit nennen, nicht von dem trennen, was manche Menschen Freizeit nennen. 

Ich bin immer in einem Status der Dankbarkeit, des Staunens und dennoch voll am Start bei unseren Kundenprojekten.

Frieden – das ist Balance.

Und das kann ich gut vermitteln. Inzwischen mit dem besten Team der Welt. Ich erkannte, dass es einige andere Menschen gibt, die genauso gerne reisen und die Welt entdecken, wie ich. Dass es Menschen gibt, die genauso gerne konzeptionell und strategisch arbeiten. Und dann habe ich gezielt diese Menschen gesucht, deren Werte mit den meinen übereinstimmen. Und wisst ihr was? Ich darf in meinem Unternehmen Wieduwilt Kommunikation auf das für mich und für unsere Kunden beste Team der Welt bauen. Das ist ein Geschenk!

Vor etwas mehr als einem Jahr, im Juli 2018 haben wir das letzte Möbelstück aus unserem 100 qm-Büro in Dresden heraus getragen. Bewusst und mit Absicht hatten wir mehr als drei Jahre darauf hingearbeitet, noch mehr Freiheit in Wieduwilt Kommunikation zu bringen. Wir haben das Unternehmen komplett auf remote Arbeitsplätze umgestellt. Jeder meiner Mitarbeiter, ich eingeschlossen, arbeitet, wo immer er arbeiten MÖCHTE. 

Mir ist egal, ob ein Mitarbeiter lieber Frühaufsteher ist und vor 10 Uhr alles erledigt hat oder ob er früh erst mal Yogastunden nimmt und danach seinen Job erledigt. 

Wir sind Halbtagspilger, darüber berichtet dieser Blog halbtagspilgern.de. 

Genau jetzt in diesem Moment, in dem ich diesen Text schreibe, sitze ich in Ubud, auf Bali auf einer Terrasse, schaue auf dicke Palmenbäume, auf einen blitzeblauen Pool und genieße einen dieser wunderbaren dunkelroten Dragonfruit-Juices. 

Ja, heute habe ich hier jetzt ziemlich genau sechs Stunden gesessen und gearbeitet. Und jetzt gleich treffe ich mein Team. Denn wir haben unser Teammeeting hier in Ubud auf Bali. Es sind alle da. Angereist aus Australien, Japan, Niederlande, Estland, Deutschland. 

Hier arbeiten wir an der strategischen Ausrichtung von Wieduwilt Kommunikation und Halbtagspilgern. Weißt du, warum es ausgerechnet Ubud ist? Natürlich würde Dresden und Lauchhammer auch funktionieren, irgendwie.
Aber wie lebt man Wertschätzung in einem Team, dessen gemeinsamer höchster Wert SELBSTBESTIMMUNG ist?

Genau, man baut ein paar Abenteuer in den Alltag ein. Gemeinsame Erlebnisse, die das remote Arbeiten hinterher umso effektiver und freudvoller machen. Für alle!

Genau das ist die Momentaufnahme für mein heutiges Unternehmen Wieduwilt Kommunikation. Ich bin auf dem Weg und auf diesen Weg nehme ich dich gerne mit. Als Unternehmerin und Halbtagspilgerin. Als Mensch. 

Ich gebe heute weiter, wie du es schaffst, halbtagspilgernd unterwegs zu sein. Ich schreibe Bücher, führe mein Unternehmen, begleite meine Kunden wie auf einem Tandem. Wenn wir gemeinsam treten, sind wir anderen immer mindestens eine Radlänge voraus, brauchen die halbe Kraft und haben ein Gemeinschaftserlebnis, das uns ewig verbindet. Unsere Kunden schätzen genau das bei den Kommunikationsaufgaben, die sie uns anvertrauen.

Ich darf durch die Welt reisen. 

Mein Thema ist Freiheit und der damit verbundene Frieden. Balance. Bei uns lernst du, wie du wertschätzend in deiner Stadt, in deinem Unternehmen kommunizierst und damit genau die Mitarbeiter, Kunden, Einwohner oder Gäste anziehst, die DU haben möchtest. 

Und dir liebe Leserin möchte ich Mut machen, deinen Weg zu gehen, wie DU ihn gehen willst. Du kannst alles schaffen, was du dir vorstellen kannst. Alles. 

Geh los. Finde dein Warum. Es ist schon in dir.

Achte auf dich und deine Bedürfnisse. Welche das sind, sagt dir dein Herz. 

Kommuniziere zuerst, WER du sein willst. Und dann sei dieser JEMAND. Das WIE kommt dann von alleine. Geh los. Du hast die Kraft!

Alles Liebe für dich

Deine Jana Wieduwilt

P.S. Hier noch mein Geheimnis. Unter uns. Komm ein Stück näher, damit ich dir ins Ohr flüstern kann: Lass dich nicht von den Moosbergern dieser Welt einschüchtern. Lerne von ihnen und sei du selbst. Das können die Moosbergers nämlich nicht. Und das ist unser weiblicher großer Vorteil, dass wir alles Wissen dieser Welt in uns vereinen.