Die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Mister An und mir

Hier in Phuket haben wir ein wunderschönes, ruhiges Hotel mit Blick aufs Meer gefunden. Ein Träumchen, genau das richtige für meinen liebsten, lang gehegten Geburtstagswunsch. Passend dazu gönnen wir uns am Vorabend zum Geburtstag eine Tour. Das bedeutet, wir buchen kurzerhand einen Taxifahrer, danke, Madlen für diesen Tip. Als wir einsteigen, fragt er, wo wir denn hinwollen. Spontan und mit dem Gehirn im Wochenendmodus, platze ich heraus: “Na zum Big Buddha und dann was essen und an den Strand und was es sonst n0ch so zu sehen gibt.” Der Taxifahrer, Mister An, nickt freundlich und fährt los. Erst mal wegen der Rush Hour nach Phuket Town. Hier können wir shoppen. Wir mögen kleine Boutiquen, kleine Einheimische-Läden und so Märkte, eben da, wo auch die Thais essen. Er mag große noble Verkaufsstellen im Kaufhallen-Stil. Und klar, er tut uns was Gutes. Wir besichtigen also einen Perlen-Schmuck-Laden in gigantischen Dimensionen. Mit persönlichem Begleiter, der uns den Einkaufskorb trägt und uns keine Sekunde aus den Augen lässt um uns unsere geheimsten Wünsche von eben diesen Augen abzulesen. Lieb gemeint, aber gar nicht unsere Baustelle! Ich habe nun überhaupt kein Faible für Schmuck, weder für echten noch für gefälschten. Puh, überstanden. Endlich wieder rein zu unserem freundlichen Taxifahrer. Ich frage leichtsinnigerweise, ob er denn wüsste, wo ich eine cheapcheap Hose kaufen kann. Natürlich weiß er. Nach einer weiteren langen Fahrt durch Rush-Hour Phuket sind wir wieder bei einer Vorstadtkaufhalle angekommen. Hier gibt es von der Thai-Salbe bis zum Badelatsch ungefähr alles an Sachen, was du dir vorstellen kannst. Auch hier haben wir eine persönliche Einkaufsadjudantin. Sie berät uns sehr freundlich, aber eben auch etwas lustlos. Kann ich auch gut verstehen. Der Job ist wirklich nicht gerade beneidenswert. Jedenfalls werden wir fündig. Ich bekomme eine Hose und weiter geht die Fahrt. Endlich zum Big Buddha. Inzwischen ist es Sonnenuntergangszeit und wir erleben bei dem wirklich dicken Buddha einen herrlichen Sonnenuntergang – und wenige Touristen. Sehr angenehm. Wir bedanken uns bei Mister An. Er ist im Stress. Denn unser Hotel, das ihn für uns gebucht hat, sucht einen Taxifahrer. Er ist aber bei Big Buddha, also viel zu weit weg, um einzuspringen. Er organisiert einen anderen Taxifahrer per Telefon am Ohr, während er die Serpentinen vom Big Buddha abenteuerlich herunterrauscht. Als er aufgelegt hat, fragt er unvermittelt, ob wir Kinder haben. Ja, haben wir. Er erzählt von seinen Mädels. 16 und 10 Jahre. Und aaaanspruchsvoll. Da hört man richtig den Druck raus, den er hat. Denn klar, sie brauchen schon eine Menge. Internet, Handys und allerlei Elektronik. Er berichtet, dass er den Wifi-Zugang passwortgeschützt hat und nur auf Verlangen, nach Telefonat am Nachmittag frei schaltet. Ich grinse. Das kommt mir sehr bekannt vor. Studiert hat er Marketing. Und auch ein paar Jahre gearbeitet, wen wundert es, in eben jener Perlenmanufaktur, deren Werksverkauf wir vor einigen Stunden besuchen durften. Aha. Und warum ist er nicht mehr da? Es sei ihm zu stressig gewesen. Immer von früh bis abends in der Manufaktur, Montag bis Sonntag. Keine Zeit für die Familie, für seine älteste Tochter, deren erstes Jahr er kaum mitbekommen hat. “Also habe ich gespart, mir ein Auto gekauft und seitdem bin ich Fahrer für Gäste”, sagt er schmunzelnd. Das ist perfekt für ihn. Denn wenn keine Gäste zu fahren sind, kann er zu Hause sein und zum Beispiel das Wlan überwachen. Sonst kann er sich seine Arbeit frei einteilen, ebenso wie unsere Fahrt. Nach dem Buddha geht es zum Restaurant. Wir kommen an ein riesiges Restaurant das am Meer liegt und frischen Fisch hat – in für thailändische Verhältnisse gehobener Preiskategorie. Es ist lecker und der Ort ist ein Traum. Aber wir hätten uns niemals dieses Lokal ausgesucht. Was will ich dir damit sagen? Wir haben uns nicht klar ausgedrückt. Buddha, Sightseeing, Essen. Klar, dass er das raussucht, was nach seiner Meinung das Beste ist. Mister An hat mich erinnert, dass es schlau ist, dem Leben (oder eben dem Taxifahrer) GANZ GENAU zu sagen, was es liefern darf ! Je präziser mein Ziel formuliert ist, desto treffsicherer ist das, was ich geliefert bekomme. Wenn ich nichts konkretes sage, kriege ich irgendwas. Magst du mehr dazu wissen, wie ich meine Ziele festlege? Abonniere gerne meinen Newsletter.