Warum du ab und an mal die Klappe halten solltest.

ITB – kennste. Die weltgrößte Tourismusmesse. Wunderbar. Mehr als 180 Länder zu Gast in Berlin. Du erlebst alles: bunt, farbenfroh, viel Photoshop, alles auf Hochglanz, türkisblaues Meer, goldgelb-weiße Strände, instagramtaugliche Sonnenuntergänge, bunte Menschen, geschmackvolle Kostproben eines herrlichen Planeten. Wir sind reeeeiiiich…Ich hoffe und bete, dass das mehr und mehr Erdenbürgern bewusst wird, dass wir so reich beschenkt sind.

Jo, und nach so einem Messebesuch bin ich enthusiastisch, habe 123 Reise- und Entdeckerziele im Blick, plane und bin so voller Eindrücke, dass ich denke, mein Kopf explodiert vor all dieser Vielfalt.

Da ist der Afrikaner, der mir von seinem Projekt erzählt, bislang nur die Architektenpläne von seinem Glamping-Ressort vor sich hat, aber dessen Augen so strahlen, dass es eine Freude ist, ihm zuzuhören. Da ist der freundliche Asiate, der gleich mehrere 100 Angebote in Sachen Eco-Tourismus aus seinen Flyern herbeizaubert und sich gefühlte 200 Mal verneigt, nur weil ich zugehört habe. Und da sind die baltischen Staaten, die auch ganz ordentlich was zu bieten haben. Da ist die Reiseleiterin, die in ausgesprochen perfektem Deutsch viel über ihr Land berichtet und von der man spürt, dass sie ihre Heimat so sehr liebt. Berge, Traditionen, Handwerk, alle Farben, Muster, Geschmäcker. Ich mag das sehr, sehr, sehr. Mein Herz könnte zerspringen vor Freunde.

Und doch nehme ich mir nach solchen Tagen bewusst eine Auszeit. Ich bin mal still. Nur mit mir. Ich nehme das Rauschen in mir war, meinen ständig palabernden Monkeymind, meine Anspannung, meine schnellen Aufmerksamkeitssprünge. Ich spüre, wie ich runter komme. Laaangsam. In der Natur geht das schneller als im Haus. Und ich stelle mir den Wecker, weil ja gelegentlich die Pflicht in mein Schweigen hinein ruft und starte mein Schweigen jetzt. Zack. Ruhe. Schweigen. Absichtsloses Schweigen ist etwas Herrliches. Ich höre mich wieder selber. Die Eindrücke waschen sich langsam aus mir heraus. Sie fließen, die grünen schneller als die roten gemächlich oder auch mäandernd durch meinen Körper, manchmal bleiben sie irgendwo hängen, dann muss ich hüpfen oder etwas schneller laufen. Sie fließen vom Kopf durch Hals und Bauch bis in meine großen Zehen, von wo aus sie sich dann auf dem Boden vor mir ausbreiten. Hach, schön. Gerade fließt da vorne Aserbaidschan an mir vorbei. Plupp. Weg isses. Serengeti bummelt noch, verschwindet aber auch gerade. Ich schüttel den Kopf, ob da noch was ist. So rutscht immer mal wieder was nach. Langsam wird mit zunehmender Stille auch das Wohlgefühl größer. Schafft Platz für Neues, für Reflektion der tiefen und nachhaltigen Gespräche, die auch auf einer Messe, wie dieser möglich sind. Bippbiepbippbieb. Wecker. Huch, schon eine Stunde geschwiegen? Schade. Ich drücke auf Snooze. Bitte mehr davon. Und beginne von vorn. Mein Tipp für dich, wenn du einen Farben-Info-Impressionen-Koller hast. SCHWEIG MAL WIEDER. Zieh dich zurück und halt die Klappe. Mehr darüber und über meine neuesten Projekte erfährst du in der nächsten Staffel meines kostenlosen Newsletters, der wöchentlich erscheint. Ich freue mich, wenn du dich hier einschreibst.

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