Wie eine Entscheidung mir zu tiefer Entspannung verhalf

Jogger. Jogger. Hunde. Und Spaziergänger. Eilige. Die letzten Partygänger schwanken nach Hause. Ein Paar sitzt auf der Bank. Händchenhaltend. Ich pilgere durch Hamburg.  

Hamburg ist eine große Stadt. Über der Stadt, die für mich eine ähnliche Energie hat, wie Dresden, liegt immer so eine Art Lärmglocke. Es fühlt sich gut an, hier zu pilgern.

Denn hier sind Parks, viele Kanäle und ich finde immer neue tolle Wege. Ich gehe vorbei an den vielen Zeichen, die Menschen hier hinterlassen und parallel zu einer stark befahrenen, lauten Straße, fällt mir ein altes Kinderspiel wieder ein. “Nicht auf die Fuge treten”.

Kennt ihr das? Wenn ihr als Kinder über größere Pflasterplatten gelaufen seid, habt ihr vielleicht auch mal versucht, nicht auf die Fugen zu treten und immer in der Mitte der Platte zu landen.

Künstler dürfen das

Ich überlege kurz, ob das jetzt komplett daneben ist, wenn ich mal probiere. Was sollen die Leute denken? Rational betrachtet, werden sie gar nichts denken, weil sie alle mit ihrem eigenen Kram beschäftigt sind.

Emotional betrachtet, habe ich ja beschlossen, dass ich halbtags als Künstler unterwegs bin und Künstler dürfen das. Check! Entschieden.

Ob ich das noch kann? Und dann tu ich es einfach! Ich setze meine Schritte so, dass ich immer auf den Platten aufkomme und keine der Fugen zwischen den Platten mit meinem Fuß berühre. Das macht richtig ZING. Denn zu dem ohnehin schon beruhigenden Effekt des Laufens kommt jetzt noch die Konzentration auf – ich-darf-nur-auf-die-Platte-treten. Cool.

Augenblicklich bin ich ganz im Moment. Hier und jetzt. Der Verkehrslärm wird leiser. Nachdem ich das ein paar Hundert Meter getan habe, bin ich ganz bei mir. Ich muss mich mal kurz ausruhen und lehne mich auf das Brückengeländer. Hier an der Alster ist es wunderschön.

Entscheidungen treffen

Dabei fällt mir noch eine Metapher ein. Nicht auf die Linie treten. Immer schön in der Mitte bleiben, das heißt ja auch, eine klare Entscheidung zu treffen. Ich entscheide mich dafür, genau da aufzutreten und die Fugen auszusparen. Das gibt mir eine klare Richtung. Cool! So einfach ist das. Einfach entscheiden! Machen. Fertig. Und das – speziell beim Fugenlaufen – sogar noch mit Meditations-Effekt.

Danke an Hamburg, ich werde von jetzt an in jeder Stadt mindestens einmal Fugenlaufen:)))