Darling und Singha aus Phuket

Ihr warum ist ungefähr 1,45 Meter groß, es steht vor der farbenprächtigen Essenstheke, trägt organefarbene Fußballschuhe und ein T-Shirt von Manchester United. Es plappert und plaudert, während die Mutti in Windeseile, lächelnd eine Soße zusammenrührt, frisches Gemüse schnibbelt und den Wok anschmeißt. Sie hört ihrem ungefähr 10-Jährigen schon zu, aber der Laden muss ja weiter laufen. Daher läuft sie hin und her, der Kleine redet und redet. Sie lächelt in sich hinein. Da, ein potenzieller Kunde. Sofort wird das Lächeln zu einem lauten, fröhlichen Lachen und mit glockenheller Stimme ruft die kleine, dralle Frau über die Theke hinweg. Good Food, same same, Very good food, cheap cheap. Wobei cheap eher kingt wie tschip tschip – die Kükensprache. Aber es springt so viel menschliche Wärme über, dass viele der zur Zeit eher spärlich vorhandenen Gäste in Phuket Strand tatsächlich in der einfachen Hütte einkehren. Denn was Ausstattung und Werbetafeln nicht erreichen können, ist die Gastfreundschaft, die “Darling”, wie sie von allen hier genannt wird, durch keine Werbung der Welt noch besser an die Leute bringen kann. Da kommen junge Leute aus Russland, sie wisse schon, was sie essen wollen. “Wie immer, Mama”, sagen sie. “Mama Darling” nickt und schmeißt laut singend Pfannen, Wok und allerlei Töpfe an.

Da kommt ein Mittelalter-Ehepaar. Sie seien heute bei Jack eingeladen, so entschuldigen sie sich. Mama Darling schmunzelt und tröstet die sichtlich geknickten Briten. “Dann kommt ihr morgen!” Und ich weiß ja nicht, wie Jack kocht. Aber es kann definitiv nicht so gut sein, wie Mama Darlings frische Küche. Tom Yum Suppe – ein Traum aus Kokosmilch, Ingwer und allerlei anderen Gewürzen. Mit Schrimps, Kräutern und Gemüse. Hmmmm. Und Padthai. Ebenfalls mit Meeresfrüchten. Selten habe ich ausgewogener gegessen und noch nie für so wenig Geld. Ich glaube, wir haben beide zusammen rund 15 Euro bezahlt. Und die Show gab es obendrauf. Den fußballbegeisterten 10-Jährigen, Mama und Papa. Papa ist noch mal ne ganz eigene Geschichte. Denn Papa ist der Kellner in der ganzen Unternehmung. Mama scheucht den gutmütigen, älteren Papa durch den ganzen Laden, lässt ihn dieses und jenes holen, bestimmt, dass dieser Tisch jetzt abgeräumt und jener gereinigt werden soll. Lächelnd, kugelrund und mächtig gut gelaunt, hat Mama die Augen überall. Und als wir uns dann verabschieden und nach einem Taxi fragen, bekommen wir den Papa-Exklusiv-Service! “Er fährt euch, morgen früh, kein Problem”, sagt Mama siegessicher. Papa nickt ergeben. Ob es ihm gefällt oder nicht, ist heute nicht genau zu entdecken. Ist im Grunde auch egal, denn Mama hat gesagt, dass es ihm gefallen soll.

So ein süßes Paar. Dabei haben beide eine spannende Geschichte. Mama ist deutlich jünger als Papa. Zweite Liebe. Große Liebe von ihm. Er war fast schon in Rente, ist von Beruf Schiffsmaschinen-Ingenieur. Hat überall große Yachten gewartet und gebaut. Er war in Deutschland, Friedrichshafen, Bodensee, München, Augsburg. Lange Zeit. Vorher in Katar und einigen anderen Ländern im Nahen Osten. Ein Haus in Bangkok hat er auch noch. Und dann kam Mama, die große späte Liebe und so zog der fast pensionierte Ingenieur nach Süden auf Phuket und lässt sich jetzt liebevoll und gerne von Mama herumscheuchen. Sein großer Stolz: Sein Warum? Es ist 1,45 Meter groß, trägt Fußballschuhe und besucht die Katholische Schule in Phuket Town. “Das ist die Beste. Da lernen die Kinder schon von der ersten Klasse an Englisch”, betont der Papa. Denn so viel steht für ihn fest. Sohnemann wird studieren. “Teuer, ich muss noch ziemlich viel arbeiten”, sagt er. Und so lange werden Mama und Papa hier am Strand Gäste betreuen, Stammkundschaft aufbauen und ihrem Jungen beim Auswerten der Fußballergebnisse zuhören. Da ist es auch egal, was die anderen sagen. Sie stehen jeden Morgen gerne auf. Denn sie haben ihr Warum! Und du; kennst du dein Warum? Was lässt dich morgens freiwillig aufstehen? Was lässt dich aufstehen, wenn deine Kinder (noch) nicht da oder schon ausgezogen sind? Dein dickes, fettes, großes Why? Wenn du magst, lass es mich gerne wissen. Nein, Geld ist bei den meisten Menschen das Wie und nicht das Warum. Es ist Mittel zum Zweck. Das Warum ist das, was dich antreibt, wenn es kalt ist, wenn schlechtes Wetter und die Laune mies ist. Es ist das, was dich los gehen lässt. Und es ist so so wichtig, es zu kennen. Bei manchen Menschen dauert die Suche mega-lange. Bei manchen ist es schon von Kindesbeinen an klar. Wie ist es bei dir? Ich freu mich auf dein Feedback.